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Ofenfischchen - Thermobia domestica




Ofenfischchen. Thermobia domestica.








Einordnung



Ofenfischchen sind kleine Tiere aus der Ordnung der Fischchen, flügellosen Insekten (keine Fische!), die entwicklungsgeschichtlich uralt sind. Gelegentlich werden sie auch als Urinsekten bezeichnet.

Die Bezeichnung Urinsekt ist umgangssprachlich und stellt keine systematische Gruppe dar. Ofenfischchen stammen aus einer Zeit vor der Erfindung des Insektenflügels; sie und andere flügellose Insekten wie Springschwänze werden daher so bezeichnet. (Streng genommen stellen Springschwänze nach heutiger Einteilung gar keine echten Insekten dar.)

Ofenfischchen. Thermobia domestica.
Ofenfischchen: Schuppen
Ein naher Verwandter des Ofenfischchens ist das Silberfischchen (Lepisma saccharina). Da dieses aber hierzulande als Schädling auftreten kann lasse ich es zugunsten des Ofenfischchens außer Acht.

Gelegentlich wird auch der Name Thermophila furnorum für das Ofenfischchen gebraucht.

Ofenfischchen erreichen eine Länge (ohne Anhänge) von 1,2 cm, Ihr Körper ist in Segmente unterteilt, die ohne Einschnürungen ineinander übergehen und einen spindelförmigen Körper ergeben. Augenfällig sind neben den beiden langen Fühlern die drei Hinterleibsanhänge. Sie dienen als Sinnenorgane, die vor Angriffen von der Körperhinterseite warnen. Charakteristisch sind die beiden seitlichen Anhänge (Cerci), die fast im rechten Winkel zum mittleren (Terminalfilum) abstehen. Weitere, deutlich kürzere Anhänge (Styli) sitzen an den letzten Segmenten.

Der Sehsinn ist schlecht ausgeprägt, die Facettenaugen besitzen jeweils nur einige Handvoll von Einzelaugen. Vermutlich können Ofenfischchen nur sehr grobe hell/dunkel-Umrisse erkennen.

Wie bei allen Fischchen treten silbrig glänzende Schuppen am Körper auf, die Berührungsreize vermitteln. Das Silberfischchen ist vollständig davon bedeckt (daher der Name), Ofenfischchen nur teilweise an der Leibesmitten.




Lebensweise



Ofenfischchen. Thermobia domestica.
Brustpartie
Ursprünglich von Südeuropa bis zum Vorderen Asien beheimatet lebt das Ofenfischchen heute auch in kälteren Klimazonen wobei es dort wegen seines Wärmebedarfs auf menschliche Siedlungen angewiesen ist. Oft in Bäckereien (daher der Name), wo es sich vom Mehl ernährt.

Der Schaden ist allerdings in der Regel gering.

Alle Fischchen leben n freier Natur in subtropischen oder tropischen Regionen als nachtaktive Bodenbewohner. Ihnen gemeinsam ist eine wenig wählerische Nahrungsaufnahme.




Zucht



Die Zucht von Ofenfischen ist einfach und Fehlerquellen sind rar.


Behälter
Als Behälter kann jede normale Plastikbox dienen. Ofenfischchen laufen kaum an glatten Wänden hoch - wirklich sicher kann man sich aber erst mit einem geeignetem Deckel sein, z.B. aus einem Nylonstrumpf. Ausbrecher vermehren sich nicht, können aber in großer Zahl Fraßschäden an allem anrichten was aus Papier besteht: Zeitschriften, Tapeten, Bücher etc. Köder und Fallen für Silberfischchen, die es im Handel gibt, funktionieren auch bei Ofenfischchen.

Ein eigenes Bodensubstrat ist nicht nötig. Allerdings kann man als Nahrungsreserve eine Schicht Haferflocken oder ähnliches einbringen.

Als Lauffläche dient Eierpappe oder verknäueltes Papier; (Wenn die Nahrung knapp wird gehen die Ofenfischchen zuerst an ihre Brut, dann beginnen sie, das Papier zu fressen. Ich würde daher keinesfalls farbig bedrucktes Papier einbringen oder gar Hochglanzmaterial. - Kaffee-Filtertüten sollten unbelastet sein.)

Ofenfischchen benötigen kein Licht. Die Zucht kan daher auch bei dauerhafter Dunkelheit erfolgen. In Dunkelheit gehaltene Tiere sollen heller gefärbt sein - sobald sie Helligkeit bekommen dunkeln sie nach.

Der Wärmebedarf ist bei aller sonstigen Anspruchslosigkeit enorm: Unter 30°C stellen die Tiere die Vermehrung sein. (Eine Vermehrung von ausgebrochenen Tieren in der Wohnung ist daher ausgeschlossen.) Temperaturen von 35° bis 40 °C sind erforderlich, bisweilen werden 50°C als Obergrenze genannt. Wer keinen besonders warmen Platz in seiner Wohnung hat kommt um eine kleine Heizung nicht herum. Ein Heizkabel oder eine Heizmatte unter der Box sind dann erforderlich.

Eine Nachtabsenkung ist vertretbar (ich hab das selber nicht ausprobiert), solange die kühle Phase 12 Stunden nicht überschreitet. Ein Platz am Vorschaltgerät der Beleuchtung geht also in Ordnung. Allerdings sollte man überprüfen, ob sich Kondenswasser während der Abkühlung niederschlägt; Eierkartons in der Haltungsbox nehmen eine gewisse Menge Wasser auf und können in ausreichender Anzahl diesen Effekt abpuffern.

Als Ablageplatz für die Eier der Weibchen dienen Knödel aus Watte (Zellstoff) die im Behälter verteilt sind. Gut geeignete Zellstoffknäuel sind z.B. (nicht lachen!) Damentampons. Dafür wird man in der Supermarktschlange genausowenig beäugt wie jemand, der als Kerl regelmäßig Nylonstrümpfe für eine Fruchtfliegenzucht aufs Band legt.




Nahrung
Ofenfischchen ernähren sich von stärke- oder zuckerhaltigem Material, also Kohlenhydrate. Sie sind dabei auch in der Lage, Zellulose das in Papier und Holz vorhanden ist bei der Verdauung aufzuspalten und zu verwerten.

In der Praxis werden meist vegetarische Fischflocken verwendet, im Prinzip funktioniert aber alles, wenn es nur trocken ist und Stärke enthält, also Haferflocken, Mehl, Knäckebrot, vegetarische Hundeflocken etc pp.

Ofenfischchen decken ihren Feuchtigkeitsbedarf aus der Umgebungsluft. Vermutlich trinken sie überhaupt nicht. Daher ist eine gewisse konstante Luftfeuchte innerhalb des Behälters erforderlich. Man erreicht das über ein mit Wasser gefülltes Glas im Behälter, das durch einen engmaschigen Deckel oben verschlossen ist, damit die Ofenfischchen nicht hineinfallen. Auch hier eignet sich ein Nylonstrumpf bestens.

Falls sich Kondenswasser im Behälter bildet ist die Verdunstung aus dem Glas heraus im Vergleich zur Belüftung der Box zu groß. Dann sollte die Belüftung der Box vergrößert werden (Schlitze erweitern, sofern vorhanden), oder man vermindert die Verdungstungsrate indem das Glas etwas abgedeckt oder durch ein anderes, schlankeres Glas ausgetauscht wird. Als Richtwert gilt ein Minimum von etwa 50% relativer Feuchte.




Entwicklung
Aus den Eiern schlüpfen die Jungen nach etwa 2 Wochen. Sie sind den Elterntieren in Körperbau und Verhalten praktisch gleich, ein Larven- oder Puppenstadium gibt es bei den Ofenfischchen nicht.

Ofenfischchen. Thermobia domestica: Gechlechtsunterschied.
Gechlechtsunterschied:
Rechts Weibchen mit
Legestachel,
links Männchen
Trotz des hohen Wärmebedarfs benötigt ein Jungtier drei bis sechs Monate um erwachsen und geschlechtsreif zu werden. Das setzt Vorausschau und Planung voraus. Grundsätzlich wird empfohlen, mehrere Behälter gleichzeitig zu betreiben.

Die Jungtiere wachsen wie alle Insekten indem sie sich häuten; bei Fischchen häuten sich aber - im Unterschied zu allen geflügelten Insekten - auch die erwachsenen Tiere regelmäßig. Sie sind damit auch in der Lage, als erwachsene Tiere beschädigte oder verloren gegangene Körperteile wie Antennen bis zu einem gewissen Grad zu regenerieren. Ofenfischchen sind langlebig und können bis zu einem Jahr alt werden.

Ofenfischchen. Thermobia domestica: Häutung.
Häutung.
Wie die Paarung genau abläuft ist unbekannt; fest steht nur, daß die Übergabe des Spermapakets (Spermatophore) indirekt verläuft, also ohne Paarung. Womöglich wird das Spermapaket an einem mit Duftstoffen gekennzeichneten Ort deponiert, von wo es das Weibchen aufnimmt.

Mit einem relativ kurzem Legestachel (Ovipositor) legt das Weibchen die Eier in kleinen Gelegen ab. Der Legestachel ist dabei nicht das mittlere der drei langen Hinterleibsanhänge, sonodern ein zusätzlicher Legeapparat, der deutlich kürzer ist.

Kannibalismus ist nicht beobachtet worden und ist schwer vorstellbar.

Um Ofenfischchen zu entnehmen stellt man vorab als Teil der Einirichtung eine leere Toilettenpapierrolle hochkant in den Behälter. Diese entnimmt man und klopft die Tiere in ein hohen, glattwandigen Behälter, etwa ein Gurkenglas. Ofenfischchen sind wenig turbulent und lassen bei einer ruhigen Hand kaum Unruhe aufkommen.




Fazit



Ofenfischchen bieten eine ganze Reihe von Vorteilen: Sie springen nicht, zirpen nicht, sind leicht zu sichern vor Ausbruch; sie entwickeln keine Geruchsbelästigung und können ihrem Beutemacher keinen Schaden zufügen. Die Zucht ist einfach und wenig aufwendig. Durch ihren weichen Körper sind sie eine gern genommene Beute für Mantiden, Geckos, Ameisen, Spinnen und viele weitere Tiere.

Dem gegenüber stehen lediglich die langen Entwicklungszeiten und der hohe Wärmebedarf.








letzte Änderung: 24. September 2013











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